Sedimentmanagement an Stör und Steinburger Unterelbe – Nutzungsperspektiven für eine nachhaltige Regionalentwicklung
Die nachhaltige Nutzung von Sedimenten aus der Stör und der Steinburger Unterelbe ist ein zentrales Zukunftsthema für den Kreis Steinburg und die Region Westholstein. Sedimentablagerungen stellen Betreiber von Häfen, Wasserstraßen und Entwässerungssystemen seit vielen Jahren vor große Herausforderungen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an regional verfügbaren Rohstoffen für Infrastruktur- und Bauprojekte.
Vor diesem Hintergrund hat der Kreis Steinburg eine umfassende Potentialanalyse zur Nutzung bindiger Sedimente beauftragt. Die Entwicklungsgesellschaft Westholstein mbH (egw) hat das Projekt fachlich begleitet und gemeinsam mit dem Land Schleswig-Holstein sowie der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt unterstützt.
Ergebnisse der Potentialanalyse
Die Analyse wurde von dem Ingenieurbüro melchior + wittpohl Beratende Ingenieure durchgeführt. Ziel war, mögliche Nutzungsperspektiven für Sedimente der Stör und der Steinburger Unterelbe zu identifizieren, unter anderem für den Deich- und Straßenbau.
Dazu wurden umfangreiche Bestandsdaten aus den Jahren 1985 bis 2024 ausgewertet. Diese umfassten unter anderem Korngrößenanalysen sowie Untersuchungen zu organischen Schadstoffen und Schwermetallen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Belastung der Sedimente im Zeitverlauf deutlich zurückgegangen ist. Für eine Nutzung an Land sind jedoch weitere bodenmechanische und chemische Untersuchungen erforderlich, da hier die Vorgaben der Bundesbodenschutzverordnung greifen. Die Gutachter empfehlen daher ein Folgeprojekt, um gezielt fehlende Daten zu erheben und belastbare Grundlagen für eine zukünftige Verwertung zu schaffen.
Chancen für Wirtschaft, Umwelt und Infrastruktur
Auch wenn die Potentialanalyse noch keine abschließenden Nutzungsempfehlungen liefern konnte, stellt sie einen wichtigen fachlichen und strategischen Auftakt dar. Das Land Schleswig-Holstein hat bereits signalisiert, ein Folgeprojekt finanziell unterstützen zu wollen. Entsprechende Mittel wurden im Haushalt des Kreises Steinburg berücksichtigt.
Ein zukunftsorientiertes Sedimentmanagement bietet erhebliche Potenziale für die Region. Jährlich könnten große Mengen an Sedimenten aus der Stör entnommen und einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Dies kann dazu beitragen, die Unterhaltung von Wasserstraßen und Häfen zu erleichtern, Entsorgungs- und Transportaufwände zu reduzieren, knappe Boden- und Rohstoffressourcen zu schonen und regionale Wertschöpfung zu stärken. Gleichzeitig kann die Nutzung von Baggergut dazu beitragen, ökologische Belastungen zu minimieren und langfristig tragfähige Kreislauflösungen zu etablieren.
Nach Ansicht von Dr. Guido Austen, Geschäftsführer der egw, spricht viel für die Fortsetzung der begonnenen Arbeit. „Eines ist ganz deutlich geworden: Wir haben ein Projekt im Kreis Steinburg für den Kreis Steinburg initiiert. Jetzt müssen wir uns darüber klar werden, wohin wir wollen – um die Wirtschaft zu stärken und den Schlick sinnvoll zu verwenden.“ Dabei gehe es nicht nur um eine Abkehr von der Kreislaufbaggerei in tideabhängigen Gewässern, sondern um die Schonung begrenzter Bodenressourcen.
Bild: Abschlussveranstaltung in Beidenfleth: (v.l.) Dr. Guido Austen, technischer Geschäftsführer der egw, Landrat Claudius Teske, Ingenieur Dr. Bernd Steinert und Dirk van Riesen, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft, Boden- und Küstenschutz im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN) des Landes Schleswig-Holstein.
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