Interview mit Sonja Wilke und Dr. Axel Kloetzing: So stärkt die Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Steinburg die hausärztliche Versorgung im Kreisgebiet
Die Wirtschaftsstrategie des Kreises Steinburg setzt wichtige Impulse für zentrale Zukunftsthemen der Region. Dazu zählen neben wirtschaftlicher Entwicklung, Vernetzung und Standortfragen auch die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Ein konkretes Vorhaben ist die Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Steinburg. Sie soll jungen Medizinerinnen und Medizinern attraktive Weiterbildungsperspektiven im Kreis eröffnen und langfristig zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung beitragen. Über Entstehung, Zusammenarbeit und nächste Schritte haben wir mit Sonja Wilke, Leiterin des Gesundheitsamtes Kreis Steinburg, und Dr. Axel Kloetzing, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, Kreisstelle Steinburg, gesprochen.
Die Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Steinburg ist ein wichtiges Projekt zur Sicherung der medizinischen Versorgung im Kreis. Wie ist die Idee dazu entstanden?
SW/AK: „Die Idee, ein attraktives Angebot für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zu schaffen, kam ursprünglich aus der niedergelassenen Ärzteschaft. Hintergrund war die Frage, wie die ambulante Versorgung im ländlichen Raum auch künftig verlässlich sichergestellt werden kann. Gerade im hausärztlichen Bereich ist es wichtig, frühzeitig Perspektiven aufzuzeigen und junge Medizinerinnen und Mediziner für eine Tätigkeit in der Region zu gewinnen.
Ziel der Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Steinburg ist es daher, ein gut strukturiertes und attraktives Angebot für die berufliche Qualifikation zu schaffen. Damit verbunden ist auch eine langfristige Perspektive: die spätere Niederlassung im Kreis Steinburg. So unterstützt die Weiterbildung nicht nur die individuelle berufliche Entwicklung, sondern leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur hausärztlichen Versorgung vor Ort.“
An der Verbundweiterbildung sind unterschiedliche Partner beteiligt, darunter das Klinikum, Praxen und der Kreis. Wie hat sich die Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten entwickelt?
SW/AK: „Durch den Aufbau des Verbundes ist ein vertrauensvolles Miteinander entstanden, geprägt von offener Kommunikation und dem gemeinsamen Ziel, die Verbundweiterbildung weiter aufzubauen und dauerhaft zu etablieren. Ein solches Vorhaben kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten ihre Perspektiven einbringen und gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Das Klinikum, die niedergelassenen Praxen und der Kreis bringen unterschiedliche Erfahrungen, Zuständigkeiten und Netzwerke ein. In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, dass dieser Austausch sehr konstruktiv ist. Alle Beteiligten engagieren sich mit Ideen, führen Gespräche, treffen Vorbereitungen und entwickeln die Strukturen des Verbundes Schritt für Schritt weiter.“
Welche Perspektiven eröffnet die Verbundweiterbildung für die hausärztliche Versorgung im Kreis Steinburg?
SW/AK: „Die Verbundweiterbildung kann mittelfristig einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung leisten. Unser Ziel ist es, gut ausgebildete und motivierte Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner für den Kreis Steinburg zu gewinnen. Wenn junge Ärztinnen und Ärzte ihre Weiterbildung hier absolvieren, lernen sie die Region, die Praxen, die Versorgungsstrukturen und die Menschen kennen. Das erhöht die Chance, dass sie sich langfristig eine berufliche Zukunft im Kreis vorstellen können.
Inwiefern hat die Wirtschaftsstrategie des Kreises Steinburg konkrete Impulse für dieses Vorhaben gesetzt?
SW/AK: „Die Wirtschaftsstrategie hat vor allem in der Startphase Unterstützung geleistet. Durch eine finanzielle Anschubfinanzierung konnte die Öffentlichkeitsarbeit der Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Steinburg aufgebaut und begonnen werden. Das ist gerade am Anfang entscheidend, weil ein neues Angebot zunächst sichtbar gemacht und bei den relevanten Zielgruppen bekannt werden muss.
Die bereitgestellten Mittel in Höhe von 12.500 Euro haben dazu beigetragen, erste Kommunikationsmaßnahmen umzusetzen. So konnte bereits eine erste Informationsveranstaltung für interessierte Ärztinnen und Ärzte stattfinden. Zudem haben die an der VAS beteiligten Akteure ihre Netzwerkarbeit über den bestehenden Beteiligtenkreis hinaus gestartet.“
Welche nächsten Schritte sind für die Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Steinburg geplant?
SW/AK: „Der weitere Aufbau der Verbundweiterbildung wird in den kommenden Monaten fortgesetzt. Geplant sind zwei weitere Veranstaltungen: eine für Praxen mit Weiterbildungsermächtigung sowie ein Angebot für Weiterbildungsassistentinnen und Weiterbildungsassistenten und Weiterbildungsermächtigte. Damit möchten wir den Austausch vertiefen, offene Fragen klären und die Zusammenarbeit im Verbund weiter stärken.
Darüber hinaus sind Messebesuche geplant, um die Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Steinburg bekannter zu machen und junge Medizinerinnen und Mediziner gezielt auf das Angebot aufmerksam zu machen. Neben der Öffentlichkeitsarbeit rücken künftig auch weitere Standortfaktoren in den Blick – etwa Wohnraum, Infrastruktur, Kinderbetreuung und Lebensqualität im Kreis. Hier wird ein enger Austausch mit weiteren Beteiligten wichtig sein, denn die Entscheidung für eine Weiterbildung oder spätere Niederlassung hängt nicht allein von beruflichen Rahmenbedingungen ab.“
Vielen Dank für das Interview!