Berlin: Standortvertreter werben für die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur des ChemCoast Park Brunsbüttel
Im Mai kamen in der Landesvertretung Schleswig-Holsteins in Berlin rund 60 Vertreter:innen aus Bundestag, Botschaften, Wirtschaft, Kommunen und Verbänden zum ersten Parlamentarischen Frühstück der Regionalen Kooperation Westküste zusammen. Im Fokus stand die Frage, wie die Verkehrsinfrastruktur an der Energieküste zukunftsfähig weiterentwickelt werden kann.
Westküste mit hoher Bedeutung für Energie, Wirtschaft und Versorgung
Deutlich wurde: Die Westküste übernimmt schon heute zentrale Funktionen für Energie, Versorgung, Tourismus und die Verbindung nach Skandinavien. Eine aktuelle Befragung im Rahmen einer Verkehrsstudie von mehr als 400 Unternehmen aus der Region unterstreicht diese Bedeutung.
Dabei wurde auch die übergeordnete Rolle der Region für die Energiewende hervorgehoben. „Die Westküste in Schleswig-Holstein ist das Herzstück eines bundesweiten Energiesystems, das zu 100 Prozent auf erneuerbarer Energie basiert. Seit Jahren kündigt der Bund an, in seine Verkehrsinfrastruktur an der Westküste zu investieren. Passiert ist bislang wenig. Um die Energiewende zum Erfolg zu führen, benötigt die Region leistungs- und zukunftsfähige Straßen, dazu Schienen- und Wasserwege“, fordert der Vorsitzende der Regionalen Kooperation Westküste, Steinburgs Landrat Claudius Teske.
ChemCoast Park Brunsbüttel als bedeutender Energiestandort
Insbesondere der ChemCoast Park Brunsbüttel spielt dabei eine entscheidende Rolle. Denn die Betriebe des größten Industriestandortes in Schleswig-Holstein haben einerseits selbst einen hohen Energiebedarf für ihre Produktion. In Verbindung mit den passenden infrastrukturellen Rahmenbedingungen, wie beispielsweise dem Ostermoorhafen und dem Elbehafen, entwickelt sich der Standort deshalb zunehmend zu einem Energie-Hub.
Besonders im Blick dabei: grünes Ammoniak und grüner Wasserstoff. Im Zusammenspiel mit weiteren möglichen nachhaltigen Energieträgern wächst die strategische Relevanz des Standortes auch über die Landesgrenzen hinaus. Um diese Entwicklung zu verstärken, muss die Infrastruktur Schritt halten. Ohne leistungsfähige Straßen, Schienen- und Wasserwege kann eine zukünftige, dynamische Entwicklung des Standortes nicht gelingen.
Dazu gehört auch, ein Gleis aus einem Störfallbetrieb am Standort zu verlegen, was im Interesse des gesamten Wirtschaftsstandortes liegt. Aber auch die A 20 mit fester Elbquerung bei Glückstadt und der Ausbau der B 5 schaffen eine leistungsfähige Ergänzung zur A 7. Dies eröffnet den Unternehmen am Standort zusätzliche Entwicklungsperspektiven. egw-Wirtschaftsförderer Roy Kühnast brachte die Herausforderung klar auf den Punkt: „Die Energiewende schafft es nicht über die Dorfstraße.“
Sven Kohnke, Werkleiter der Yara Brunsbüttel GmbH, ergänzte mit Blick auf die notwendige Investitionsbereitschaft: „Es bedarf endlich des Mutes, notwendige Investitionen in die Infrastruktur vorzunehmen, auch wenn einzelne Entwicklungsperspektiven noch mit Unsicherheiten verbunden sind!“ Eine solche Grundhaltung sollte den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder stärker auszeichnen.
Gemeinsames Signal der Region
Neben der inhaltlichen Diskussion stand auch das klare gemeinsame Auftreten der Region im Mittelpunkt. “Unser Ziel ist es, geschlossen gegenüber Bund und Land aufzutreten, um den Fokus stärker auf die Westküste zu lenken. Und diesen Weg werden wir konsequent weitergehen“, so Dithmarschens Landrat Thorben Schütt.
Mit ihrem gemeinsamen Auftritt beim Parlamentarischen Frühstück unterstrichen Landrat Claudius Teske, Landrat Thorben Schütt, Bürgermeister Martin Schmedtje, Martina Hummel-Manzau und Roy Kühnast von der egw gemeinsam mit Sven Kohnke, Vertreter der Betriebe des ChemCoast Park Brunsbüttel, diese geschlossene Haltung.
Die vollständigen Ergebnisse der beauftragten verkehrswirtschaftlichen Analyse sollen Ende Oktober 2026 vorgestellt werden.
Bild:
v. l.: Roy Kühnast (egw), Martin Schmedtje (Bürgermeister der Stadt Brunsbüttel), Sven Kohnke (Werkleiter der Yara Brunsbüttel GmbH), Martina Hummel-Manzau (egw), Michael Junkowski (Bürgervorsteher der Stadt Brunsbüttel). Copyright: Energieküste